Ich fotografiere seit nunmehr 3 Jahren gewerblich und lerne kontinuierlich dazu. Das meine ich in diesem Fall nicht technisch oder fotografisch, wobei das selbstverständlich auch stimmt. Ich meine das vorallem menschlich. Aber von vorne: Was ist eigentlich los?
Vor jeder meiner „großen“ (sprich langen) Hochzeitsreportagen, steht immer eine ausfühliche Vorbesprechung. Diesem Vorgehen liegt meine Philosophie zugrunde, dass eine solche Reportage nur dann gut werden kann, wenn sich Brautpaar und Fotograf vom Grundsatz her symphatisch sind. Für die meisten Menschen ist es sehr ungewohnt vor einer richtigen Kamera zu stehen und fühlt sich auch genau so an. Hinzu kommt der Umstand das ich als Reportagefotograf, zumindest ist es bei meiner Arbeitsweise der Fall, ziemlich nah an meine Kunden heran komme. Damit dennoch Bilder entstehen, welche ich guten Gewissens an meine Kunden herausgeben kann, braucht es auf der menschlichen Ebene den berühmten „draht“ zueinander.
Außerdem gibt es wichtige Dinge zu Besprechen: Passen die Erwartungen des Paares an Ihre Bilder zu den Planungen des Tages? Gibt es Dinge, die ich als Fotograf beachten muss? Gefallen dem Brautpaar auch die Bilder die ich gedruckt in meiner Mappe mitbringe? Und so weiter, und so weiter…Eine Hochzeit erfordert eben viel Planung und es muss einiges bedacht werden. Das schließt den Fotografen mit ein.
Bei kleineren Hochzeiten, oder standesamtlichen Begleitungen, habe ich bisher nicht immer auf ein solch ausßführliches Gespräch bestanden. Doch das werde ich ab jetzt ändern. Es ist notwendig. Denn auch für eine „kleien Begleitung“ zahlt das Brautpaar gutes Geld und es sollte ganz klar sein, was Sie dafür bekommen werden. Jedem Paket das ich anbiete, liegt eine bestimmte Kalkulation zu Grunde. Nicht alle Leistungen, die ich durchführen könnte, also die Möglich sind, sind auch in jedem Paket enthalten. Und das muss jedem Kunden klar sein. Ich versuch das ganze mal an einem Beispiel zu erläutern:
Ich glaube nicht das ein Kunde, der nicht aus dem Bereich der Fotografie kommt (und das tun die Wenigsten) weiß, was der Unterschied zwischen einer Bearbeitung (Farben, Kontraste, Helligkeit – also der klassischen Entwicklung im weitesten Sinne) und einer umfassenden Retouche ist. Und ich glaube weiterhin nicht, dass ich in der Lage bin, es den Kunden rein schriftlich zu erklären. Eine Braut, egal wie klein das Paket ist welches Sie bucht (zeitlich), möchte auf den gedruckten Bildern fantastisch aussehen. Es braucht dafür aber vielleicht eine Retouche (Das kann die Unterschiedlichstten Gründe haben!), die weit über das im Paket enthaltene Maß hinaus geht. „Das ‚photoshopst‘ du dann einfach, oder“ – Ist ein Satz den wohl viele von uns kennen. Er sagt sich sehr schnell, bedeutet aber oft einen nicht kalkulierten Mehraufwand. Ich habe gemerkt das die Erwartungen von Brautpaaren, die ledigleich eine standesamtliche Begleitung möchten, oft nicht mit der Realität zusammen passen. Das liegt nicht zulätzt an meiner eigenen Außenwirkung und Werbung. Ich muss meine Kommunikation an dieser Stelle deutlich verbesser. Und genau aus diesem Grund werde ich ab jetzt auch bei kurzen Begleitungen auf ein ausführliches Vorgespräch bestehen. Ich muss lernen den Paaren noch offener zu sagen, wie sich die Preise zusammensetzen und was Sie erwarten dürfen, aber auch, was einfach nicht zum Basis-Preis geboten werden kann und Mehrkosten verursacht, sollte es denn gewünscht sein.
Das Ziel muss es sein, dass beide Seiten genau wissen wofür Geld fließt und worauf sich das Brautpaar am Ende freuen darf. Erwartungen müssen erfüllt- und gerne auch mal übertroffen sein, sollten aber nie enttäuscht werden. Die Schuld für dieses Missverständnis liegt definitiv nie am Kunden. Sicherlich lese ich oft in den sozialen Medien, in den einschlägigen Gruppen für Fotografen, dass die Forderungen der Brautpaare, die dann im nachhinein gestellt werden, als unverschämt oder frech empfunden werden. Aber woher soll ein Paar wissen, was genau wir anbieten. Für uns, die wir uns oft mit dem Thema befassen, ist alles ganz klar. Aber ich kann nur jedem raten, der schon einmal einen solchen Fall durchlebt hat, seine Leistungsbeschreibung und seine Kommunikation zu hinterfragen. Die „Schuld“ dem Kunden zu zu schieben ist für mein Empfinden zu einfach und der völlig falsche Weg. Vielleicht wäre der Klick auf die eigene Website, anstatt zur Facebook-App eine tolle Alternative.
Letzten Endes führen glückliche Kunden und nicht das „Lästern“ unter Kollegen zu einem guten Gefühl und letztlich auch zu einem stärkeren Selbstbewusstsein.

Wie seht Ihr das ganze? Schreibt mir eure Meinung dazu gerne in die Kommentare!

2 Comments on “Warum das Vorgespräch mit ALLEN Brautpaaren so wichtig ist

  1. Witzigerweise hatte ich ein ähnliches Problem mit der Fotografin bei meiner standesamtlichen Hochzeit 😀 Ich dachte, sie retuschiert überschminkte Hautunreinheiten mit. Jedoch hat sie lediglich die Farben, Kontraste und Helligkeiten angepasst. Die Bilder sind wunderschön geworden und ich liebe sie, aber ein Hinweis beim Erstgespräch hätte mir den Schrecken erspart. Zum Glück komme ich ja selbst aus dem Bereich und konnte dann die 5 Bilder, wo es mich persönlich gestört hat, retuschieren.

    • Oje. Aber wenn dir die Bilder im Grundsatz wirklich gefallen und du sagst, dass sie wirklich wunderschön geworden sind, ist doch alles andere nur halb so wild. Über einen gewissen Grad der Retouche kann man ja immer reden und ich wäre auch der Letzte, der seinen Paaren einen Wunsch abschlägt. Aber aus solchen Situationen kann man als Fotograf auch sehr viel lernen, wenn man sich eben den ein oder anderen Gedanken macht und nicht dem Paar die ganze Verantwortung hin schiebt.
      Aber in deinem Fall ist es natürlich noch besser, weil du ja sehr Branchennah bist. 🙂

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